Sommer 2016. Deutschland im Würgegriff des Wetters. Zwischen Brexit, AfD Protesten und EM-Fieber spaziert der 21-jährige Isa Mohammed durch den Stadtpark. Er versucht seine Familie in Syrien zu erreichen. Sein Asylverfahren läuft und in die Sorge um seine eigene Zukunft mischt sich die Ungewissheit um das Wohlergehen seines dreijährigen Sohnes, der in Damaskus bleiben musste.

 

 

Nach einer schwierigen Flucht, die ihm viele Opfer abverlangt hat, ist er endlich in Deutschland. Doch lassen ihn einige unheilvolle Begegnungen mit „Wutbürgern“ daran zweifeln, dass er hier dauerhaft Frieden findet. Da lernt er die 19jährige Aussteigerin Tine kennen, die ihn einfach nur wie einen normalen Menschen behandelt. Gemeinsam erträumen sich die beiden eine andere Gesellschaft.

 

 

Während Isa seinen Namen zum Programm macht – Isa bedeutet übersetzt Jesus – und Vorurteilen und Attacken mit dem Hinweis auf gemeinsame religiöse Wurzeln begegnet, versucht ihm Tine die Augen für die „harte Realität“ zu öffnen und übergibt ihm eine Gaspistole, mit der er sich im Notfall verteidigen soll. Doch dann ist es ausgerechnet Tine, die von einem Nazi angegriffen wird, der versucht, sie zu vergewaltigen. Isa hilft ihr und überschreitet dabei selbstgesetzte Grenzen.

 

 

Jesus Mohammed geht baden“ bricht die aktuelle Diskussion um Flucht, Asyl und Zuwanderung auf eine ganz menschliche Ebene herunter und erzählt mit nur zwei Schauspielern, die in verschiedenste Rollen schlüpfen, eine Fluchtgeschichte in einem Land, in dem nicht wenige Bürger Flüchtlinge wie Isa als Gefahr sehen.

 

 

Das Jugendstück „Jesus Mohammed geht baden“ stellt sich damit in die Mitte der gegenwärtigen gesellschaftlichen Diskussion: Werden Flüchtlinge mit arabischen Wurzeln ausgegrenzt oder grenzen sie sich selber aus? Genießen sie ein Gastrecht, das sie verwirken können oder nehmen sie ein unverwirkbares Menschenrecht in Anspruch? Dürfen sie sich auflehnen gegen erlebte Intoleranz und bürokratischen Irrsinn oder müssen sie sich ruhig verhalten?

Mit Franziska Lißmeier, Larius Poulivong / Marcus Abdel-Messih

Text Marcel Krohn

Regie Thomas Klischke
Bühne Thomas Klischke
Kostüme Thomas Klischke
Klavieraufnahmen Henrik Böhl
Dramaturgie Marcel Krohn

Produktionsassistenz Ramona Schmidt

Fotos Harald Teubel

Koproduktion Clingenburg Festspiele, Möööp Theater Frankfurt

GASTSPIELE 2017

# Kinder- und Jugendtheaterfestival Kaleidoskop

# Paul Theater Straubing

# 24. Clingenburg-Festspiele

 

"Suche nach dem Land ohne Grenzen" (PDF), 2.7.2016, Main-Echo, Sylvia Breck

 

"Was das Zweipersonenstück so fesselnd macht, ist die Unverfälschtheit, mit der die Schauspieler schwindelerregend schnell und glaubwürdig in verschiedene Rollen schlüpfen - vom traumatisierten Kriegsflüchtling zum Schlagstock schwingenden Demonstranten, vom Suren zitierenden Moslem zum vergewaltigenden Nazi. Sie sind beides: Täter und Opfer zugleich."

 

"Regisseur Thomas Klischke verzichtet dennoch auf einen intellektualisierenden, politisierenden Umgang mit der Thematik. Stattdessen lässt Klischke seine Darsteller eine fast spielerisch- naive Leichtigkeit, sogar Fröhlichkeit entfalten (...)"


"Geschickt spielt der Regisseur mit Karikatur und Ernsthaftigkeit, der Zuschauer schwankt zuweilen zwischen Lachen und Weinen."

 

Main-Echo, 2. Juli 2016

 

"Eine Besonderheit an der Inszenierung war, dass die beiden Darsteller nicht nur Tine und Isa verkörperten, sondern noch weitere Rollen spielten: ein spießiges, deutsch-tümelndes Ehepaar etwa oder gewaltbereite Neonazis. Wie sie dabei einen Balanceakt vollzogen zwischen Karikatur und Realität, ließ einem manchmal den Atem stocken. Die Begeisterungs- und Betroffenheitsäußerungen des Publikums machten deutlich: Mit dieser Produktion hatten die Veranstalter der Clingenburg Festspiele den Nerv der Zeit getroffen."

 

primavera24.de, 24.07.2016