Sommer 2016. Deutschland im Würgegriff des Wetters. Zwischen Brexit, AfD Protesten und EM-Fieber spaziert der 21-jährige Isa Mohammed durch den Stadtpark. Er versucht seine Familie in Syrien zu erreichen. Sein Asylverfahren läuft und in die Sorge um seine eigene Zukunft mischt sich die Ungewissheit um das Wohlergehen seines dreijährigen Sohnes, der in Damaskus bleiben musste.

 

Als er von Passanten mit rassistischen Bemerkungen beleidigt wird, kommt ihm Tine, ein junges Mädchen, das von Zuhause abgehauen und seine Ausbildung hingeschmissen hat, zu Hilfe. Die beiden verbringen zusammen einen Tag im Park, lernen sich kennen, gleichen Klischees, Vorurteile und Medienwissen mit der Wirklichkeit ab ...

 

Das Schicksal des jungen Isa steht für viele Flüchtlinge – und dennoch ist es einzigartig, weil jeder Mensch einzigartig ist. Denn was einige immer wieder vergessen: Es gibt die Araber oder die Muslims eben so wenig wie es die Christen oder die Deutschen gibt. Das erlebt auch Tine, die junge Revoluzzerin. Sie dachte genau zu wissen, wie arabische Männer ticken und erlebt mit Jesus Mohammed  ihr blaues Wunder.

 

Das Jugendstück „Jesus Mohammed geht baden“ stellt sich damit in die Mitte der gegenwärtigen gesellschaftlichen Diskussion: Werden Flüchtlinge mit arabischen Wurzeln ausgegrenzt oder grenzen sie sich selber aus? Genießen sie ein Gastrecht, das sie verwirken können oder nehmen sie ein unverwirkbares Menschenrecht in Anspruch? Dürfen sie sich auflehnen gegen erlebte Intoleranz und bürokratischen Irrsinn oder müssen sie sich ruhig verhalten?

Mit Franziska Lißmeier, Marcus Abdel-Messih

Text Marcel Krohn

Regie Thomas Klischke
Bühne Thomas Klischke
Kostüme Thomas Klischke
Klavieraufnahmen Henrik Böhl
Dramaturgie Marcel Krohn

Produktionsassistenz Ramona Schmidt

Fotos Harald Teubel

Koproduktion Clingenburg Festspiele, Möööp Theater Frankfurt

GASTSPIELE 2017

Kaleidoskop Kinder- und Jugendtheaterfestival 2017

Paul Theater Straubing

24. Clingenburg-Festspiele

 

"Suche nach dem Land ohne Grenzen" (PDF), 2.7.2016, Main-Echo, Sylvia Breck

 

"Was das Zweipersonenstück so fesselnd macht, ist die Unverfälschtheit, mit der die Schauspieler schwindelerregend schnell und glaubwürdig in verschiedene Rollen schlüpfen - vom traumatisierten Kriegsflüchtling zum Schlagstock schwingenden Demonstranten, vom Suren zitierenden Moslem zum vergewaltigenden Nazi. Sie sind beides: Täter und Opfer zugleich."

 

"Regisseur Thomas Klischke verzichtet dennoch auf einen intellektualisierenden, politisierenden Umgang mit der Thematik. Stattdessen lässt Klischke seine Darsteller eine fast spielerisch- naive Leichtigkeit, sogar Fröhlichkeit entfalten (...)"


"Geschickt spielt der Regisseur mit Karikatur und Ernsthaftigkeit, der Zuschauer schwankt zuweilen zwischen Lachen und Weinen."

 

Main-Echo, 2. Juli 2016

 

"Eine Besonderheit an der Inszenierung war, dass die beiden Darsteller nicht nur Tine und Isa verkörperten, sondern noch weitere Rollen spielten: ein spießiges, deutsch-tümelndes Ehepaar etwa oder gewaltbereite Neonazis. Wie sie dabei einen Balanceakt vollzogen zwischen Karikatur und Realität, ließ einem manchmal den Atem stocken. Die Begeisterungs- und Betroffenheitsäußerungen des Publikums machten deutlich: Mit dieser Produktion hatten die Veranstalter der Clingenburg Festspiele den Nerv der Zeit getroffen."

 

primavera24.de, 24.07.2016